Die Weinernte 2015 – Ein gutes Weinjahr geht zu Ende

Die Weinlese ist der Höhepunkt des Winzerjahres. Nun zeigt sich, ob der Winzer alles bedacht, richtig eingeschätzt und mit Augenmaß entschieden hat. Und das Quäntchen Glück gehört natürlich auch dazu.

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(C) Volker Zintgraf pixelio.de

Auch in diesem Jahr blieb es wieder spannend: Wie entwickeln sich Sonneneinstrahlung und Niederschlag? Hat sich der heiße Sommer positiv ausgewirkt oder war es zu viel Sonne?

Seit Anfang September ist die Weinernte an der Mosel im Gange und nähert sich nun ihrem Abschluss. Der Herbst brachte reichlich Sonne mit, so dass die Trauben aromatische Süße entwickeln konnten.

Die früh reifenden Rebsorten wie Müller-Thurgau und Dornfelder wurden zuerst geerntet, danach der Elbling. Der Riesling ist der letzte im Erntereigen am Ende eines erfolgreichen Weinjahres.

Sonne und Regen im rechten Maß

Die Winzer sind zuversichtlich: Die Trauben hatten eine lange Reifezeit, ohne durch Fäulnis verdorben zu werden.
Die extrem hohen Temperaturen und die Trockenperioden des Sommers ziehen nur wenige Ertragseinbußen nach sich. Sonnenbrand heißt es bei den Trauben, wenn sie unter der Hitze trocken und schrumpelig werden. Doch zum Glück hielt sich dieser Schaden in Grenzen, weil der Regen meist gerade noch rechtzeitig einsetzte.

Die Trockenheit hatte den Vorteil, dass sich Pilzkrankheiten kaum ausbreiten konnten. Auch die Kirschessigfliege, die im vergangenen Jahr den Winzern große Sorgen bereitet hatte, hielt sich in diesem Jahr fern. Einbußen sind also nur durch die Trockenheit zu erwarten.

Wie viel Wein können wir erwarten?

Die Erntemengen in den deutschen Weinanbaugebieten schwanken. Während in Saale-Unstrut und Sachsen mit einer Erntesteigerung von bis zu 20 Prozent gerechnet wird, stellen sich die Winzer an Mosel und Rheinhessen auf einem Rückgang der Erntemenge von etwa sechs Prozent ein. In der Pfalz bleibt die Erntemenge im Vergleich zum Vorjahr unverändert.
Nach Aussage des Deutschen Weininstitutes in Mainz liegt die gesamte Erntemenge mit zwei Prozent nur wenig unter dem zehnjährigen Durchschnitt.

Der Riesling, Star unter den Moselweinen, genießt länger als andere Sorten den goldenen Herbst.

Sonniger Herbst – Aromatischer Riesling

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(C) sprisi pixelio.de

Während die früheren Traubensorten bereits in die Verarbeitung gehen, tankt der Riesling noch Herbstsonne satt. Von Tag zu Tag bauen die Trauben Fruchtsäure ab und bilden Fruchtzucker aus. Ihr Mostgewicht steigt und mit ihm die Vorfreude auf einen gehaltvollen, aromatischen Riesling.

Nicht alle Trauben werden gleichzeitig reif. In mehreren Erntedurchgängen werden jeweils die Trauben mit der optimalen Reife geerntet. Gerade in den Steillagen ein sehr aufwändiges Verfahren. Doch es lohnt sich, denn aus den vollreifen, gesunden Trauben entstehen aromatische Weine, die dem Gaumen gut tun und die Stimmung heben.

Welcher Jahrgang ist Ihr Favorit? Erzählen Sie es uns auf Facebook!

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Ist die Weinernte in Gefahr?

Die Weinernte ließ sich in diesem Jahr gut an und die Winzer waren zuversichtlich. Doch jetzt bangen sie um ihre Ernte. Schuld ist ein 3 mm großes Insekt, das sich, wie schon seit drei Jahren befürchtet, nun in Deutschland rasant ausbreitet: Die Kirschessigfliege.

Kleines Insekt – Großer Schaden

Drosophila suzukii – Das ist der lateinische Name jenes Insekts, das nun auch in unseren Breiten angekommen ist und den Obstbauern und Winzern große Sorgen bereitet.
Die Kirschessigfliege sieht unserer heimischen Essigfliege zum Verwechseln ähnlich. Doch im Gegensatz zu dieser bevorzugt sie nicht verdorbenes Obst, sondern solches, das kurz vor der Reife steht.
Sie stammt aus Südostasien und ist durch den internationalen Obsthandel über Amerika und Osteuropa nun auch im Süden Deutschlands angekommen. Erstmals 2011 wurde sie hier gesichtet und steht seitdem unter Beobachtung des Staatlichen Weinbauinstituts. Nach dem milden Winter tritt sie in diesem Jahr erstmal in besorgniserregend großer Zahl auf.

Was tut der Schädling und wie kann man ihn aufhalten?

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(C)Ascada / pixelio.de

Das Weibchen ritzt die Früchte auf und legt dort seine Eier ab. Die geschlüpften Larven ernähren sich von dem Fruchtfleisch und sind in kurzer Zeit selbst fortpflanzungsfähig. So hat die Kirschessigfliege ein hohes Vermehrungspotenzial, das macht sie so gefährlich.
Die angeritzten Früchte sind für die Winzer unbrauchbar, denn durch die verletzte Stelle können weitere Schädlinge eindringen, auch Krankheitserreger Außerdem tritt der süße Saft aus der Frucht aus und der darauf folgende Gärprozess führt zur Essigbildung. Das macht die Traube unbrauchbar.
Wenn nichts getan wird, ist die Weinernte extrem gefährdet, sagen Bauern aus der Pfalz.

Die Kirschessigfliege liebt schattige Plätze und bevorzugt die dunklen Trauben. Die Winzer entfernen deshalb möglichst viel Laub rund um die Trauben, so dass wenig Schatten übrigbleibt. Doch das allein wird nicht reichen.

Hilfe im Kampf um die Weinernte

Die Winzer erhalten Unterstützung vom Landwirtschaftsministerium. Zu Zeit betrifft das vor allem Baden-Württemberg. So dürfen sie ein Pflanzenschutzmittel gegen die Kirschessigfliege einsetzen, das bisher dem Schutz vor dem Traubenwickler diente.
Auch weitere Mittel sind zugelassen oder entsprechende Zulassungen werden zurzeit geprüft. Der Schutz der Bienen wird dabei nicht außer Acht gelassen. Kontakte zu Imkern bestehen bereits.

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(C)R K by Joujou, pixelio.de

Die Winzer an der Mosel sind noch entspannt. Bisher haben sie keinen Grund, beunruhigt zu sein. Doch auch sie wissen, was sie im Falle eines Falles tun werden.

Die Vernetzung der Winzer in Deutschland und Südtirol und die Kommunikation mit den Obstbauern ist jetzt wichtiger denn je. Der Erfahrungsaustausch wird allen Beteiligten zugute kommen und künftig helfen, ihre Ernten vor der Weinessigfliege zu schützen.

Wie denken Sie über die Situation? Erzählen Sie es uns auf Facebook!

Die Zeit des Federweißen

Die Weinlese hat in diesem Jahr schon früher begonnen als sonst üblich. Die Trauben sind reif für die Ernte und Weinliebhaber freuen sich schon auf den Federweißen.

Federweißer – Der erste Wein im Jahr

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Zum Wohl! (C)Gaby Stein, pixelio.de

Ein fruchtig-süßer Vorgeschmack auf den Herbst, ein frischer Begleiter jedes Weinfestes ist der junge, gerade gelesene Wein. Haben Sie schon einmal mit dem Ohr am Glas sein Rauschen vernommen? Das hat ihm die Namen „Rauscher“, „Sturm“ und „Brauser“ eingebracht.
Eigentlich ist der Federweiße noch kein „richtiger“ Wein, sondern befindet sich auf dem Weg vom Most zum Wein. Seine zum Teil noch trübe Färbung stammt von den fedrigen weißen, schwebenden Hefeteilchen, die er reichlich enthält. Diese geben ihm nicht nur den Namen „Federweißer“, sondern halten auch den Gärprozess in Bewegung. Mit ihrer Hilfe wird der Zucker in Alkohol und Kohlensäure verwandelt.

Das süße Prickeln

Solaris und Ortega sind die frühen Sorten, die auch in diesem Jahr die Weinlese eröffnen und als Federweißer als erste getrunken werden.
Solaris ist eine weiße Rebsorte, die seit 1975 angebaut wird. Sie zeichnet sich durch einen hohen Süßegrad aus, gedeiht selbst an ungünstigen Standorten und reift früh. Zudem ist sie resistent gegen Pilzbefall.
Die würzige Sorte Ortega gibt es seit 1948. Sie ist eine Neuzüchtung aus Rivaner (Müller-Thurgau) und Siegerrebe.
Der Geschmack des süffigen Getränks hängt aber auch vom Stand der Gärung ab. Je weiter diese fortgeschritten ist, umso mehr nimmt der Süßgeschmack ab. Bei etwa fünf Prozent Alkoholgehalt ist das Gleichgewicht zwischen Süße und Alkoholgehalt am besten ausgewogen. Wird er erst später getrunken, ist der Geschmack zunehmend sauer, der Alkoholgehalt beträgt dann bis zu elf Prozent.

Bitte senkrecht halten – Vom Umgang mit demFederweißen

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Reif für die Lese (C)Angelina Ströbel, pixelio.de

Mittlerweile ist der Federweiße nicht mehr nur das Getränk der spätsommerlichen Weinfeste, sondern wird auch in Flaschen abgefüllt in den Handel gebracht. Die luftdurchlässigen Verschlüsse lassen die Kohlensäure entweichen, die beim Gärprozess entsteht. Wichtig ist, dass die Flaschen aufrecht stehen transportiert werden.
Wärme treibt den Gärprozess voran, Kälte hält ihn auf. Wenn Ihnen also der erste Schluck noch recht süß schmeckt, lassen Sie die Flasche für ein paar Stunden bei Zimmertemperatur stehen. Ist der Geschmack dann genau richtig, sollten Sie den Federweißen sehr kühl stellen oder recht zügig trinken. Lassen Sie sich dazu einen herzhaften Imbiss schmecken.

Was schmeckt zum Federweißen?

Der Klassiker zum Federweißen ist Zwiebelkuchen. Sehr beliebt ist auch der Flammkuchen nach Elsässer Art. Auch für Quiche Lorraine ist er ein passender Begleiter. Soll es schnell gehen, reichen Sie Laugenbrezeln mit verschiedenen würzigen Dips dazu.

Zum Selbermachen: Quiche Lorraine

Von der Quiche Lorraine gibt es verschiedene Varianten. Hier ein besonders leckeres Rezept:

Für den Mürbeteig: 200 Gramm Mehl, 100 Gramm gekühlte Butter, ½ Teelöffel Salz, 5 Esslöffel Wasser, 1 Ei: Gut verkneten, in Alufolie einschlagen und etwa 30 Minuten kühl legen.

3 Eier, ¼ Liter Sahne, 400 Gramm Spinat (Tiefkühlgemüse leicht andünsten), mit Salz, Pfeffer, evtl. Muskat würzen

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Begleiter für den Federweißen (C)Petra Bork_pixelio.de

Den Mürbeteig in einer gefetteten Springform ausrollen, einen Rand hochziehen.
250 Gramm in Würfel geschnittenes Lachsfilet auf dem Teig verteilen.
Darüber die Ei-Sahne-Masse gießen.

Backzeit etwa 30 Minuten bei 200 – 220 Grad ca. 30 Minuten.

Wer es deftiger mag, nimmt für den Belag traditionell 200 Gramm Speck, für die Eimasse 125 Gramm geriebenen Käse, zum Beispiel Emmentaler, abgeschmeckt mit Salz und Pfeffer.

Diese Variante schmeckt auch Vegetariern: 250 Gramm gewürfelten Schafskäse und für den Belag drei in Würfel geschnittene Tomaten. Würzen mit Salz, Pfeffer, Basilikum.

Guten Appetit!
Auf der Seite unserer Moselvinothek finden Sie außerdem ein Rezept für leckeren Flammkuchen nach Elsässer Art. Schauen Sie doch mal wieder hier vorbei oder besuchen Sie uns direkt vor Ort – wir freuen uns auf Sie!

Das Jahr des Winzers

Das Jahr des Winzers bis zur Weinlese

Das Jahr des Winzers bis zur Weinlese – von annamartha, pixelio.de

Haben Sie sich schon einmal gefragt, was alles der Winzer tut, ehe wir unseren goldenen oder tiefroten Wein genießen können? Heute begleiten wir einen Winzer durch das Jahr im Weinberg und schauen ihm ein wenig über die Schulter.

Winter – Frühjahr

Das Jahr beginnt mit einer wichtigen Arbeit, die mehrere Wochen dauert: Der Winzer beschneidet jede einzelne Rebe. Er lässt die kräftigen Triebe stehen, oft ist es nur ein einziger. So werden die verbleibenden Triebe noch kräftiger.

Drahtrahmen und Stickel werden repariert. Nun ist alles bereit für die Wachstumsphase der Rebstöcke.

Ende März beenden die Weinreben ihre Winterpause, sie ziehen wieder Wasser. Haben Sie schon einmal gehört, dass die Rebe „weint“ oder „blutet“? So sieht es tatsächlich aus, wenn das gezogene Wasser aus den frischen Schnittstellen tropft. Doch der Rebe geht es dabei gut. Sie ist bereit zu wachsen und entwickelt Blattknospen.

Die Reberziehung beginnt. Der Winzer bindet die Triebe auf die Drahtrahmen oder steckt sie fest, damit sie nicht abbrechen. Das tut er mehrmals im Jahr. Wenn es währenddessen regnet – umso besser, denn feuchte Zweige lassen sich leichter biegen. Durch das Aufbinden stehen die Triebe aufrecht und werfen wenig Schatten. So erhalten alle Pflanzen ausreichend Sonne für ihre Entwicklung.

Die aufrechte Haltung der Weinstöcke ist auch für die Schädlingsbekämpfung günstig. Außerdem erleichtert sie die spätere Lese.

Bis zur Weinlese vergeht noch Zeit. Erst wird der Boden aufgelockert und gedüngt. Das geschieht maschinell, mit Fräsen und Grubbern. In den Steillagen an der Mosel können Maschinen nur begrenzt eingesetzt werden; hier werden viele fleißige Hände gebraucht.

Bodentriebe werden entfernt, damit die oberen Triebe kräftig bleiben.

Der Pflanzenschutz ist nun auch sehr wichtig; gegen Pilze und Mehltau setzt der Winzer organische Fungizide ein.

Sommer – Herbst

Anfang Juni ist es so weit: Die Weinblüte beginnt. Eine wichtige Phase, die nur wenige Tage währt. Über dem Weinberg liegt ein süßlicher Duft. Nun ist Zeit für eine Vorausschau: Etwa einhundert Tage später wird die Weinlese stattfinden.

Doch zuerst bilden sich die Fruchtansätze, winzige grüne Trauben, die bis zum Juli heranwachsen. Der Winzer wird nun an jedem Weinstock die stärksten Trauben stehen lassen und die anderen wegschneiden, er dünnt die Trauben aus. Das ist die „Grüne Ernte“.

Wiederholt ausgedünnt wird auch das Laub an den Rebstöcken, um Sonne und Luft freien Zugang zu gewähren.

Das Jahr des Winzers nähert sich dem Höhepunkt: Die Weinlese rückt näher und mit ihr die arbeitsintensivste Zeit. Bis zu drei Wochen kann die Ernte dauern, wenn sie, wie zum Beispiel an der Mosel verbreitet, per Hand erfolgt. Auf den steilen Hängen können keine Vollernter eingesetzt werden, deshalb werden jetzt viele Helfer gebraucht.

Auch bei maschineller Ernte werden die Trauben jedoch per Hand ausgelesen; nur die einwandfreien Trauben finden Verwendung für den neuen Wein.

Trauben, die für die Gewinnung von Eiswein vorgesehen sind, bleiben noch bis Anfang Dezember hängen.

Zuletzt wird der Boden umgepflügt, damit er sich von den Erntearbeiten erholen kann.

Während sich über den Weinberg der Schnee legt und die Winterruhe beginnt, kümmert sich der Winzer im Weinkeller um  das Abfüllen der Jungweine.

In unserer Moselvinothek finden Sie hochwertige Weine von erfahrenen Winzern aus den Weinbergen an der Mosel, Saar und Ruwer. Wir laden Sie herzlich zu einem Besuch ein.